Wohlan, Herr Hasselhoff

Dies ist eine Antwort auf den Vorschlag von Herrn Haselhoff, einen Grundschulstandort in Radevormwald aufzugeben. Nachzulesen unter http://www.uwg.inrade.de/show-article.php?iRubrikID=7514&iArticleID=46209 [1] Herr Haselhoff, ich nehme es Ihnen ab, dass Sie es sich nicht leicht gemacht haben mit dem Gesinnungswandel. Und die von Ihnen vorgelegten Argumente erscheinen auf den ersten Blick auch nachvollziehbar. Sie sind allerdings nicht zu Ende gedacht. Nehmen wir einmal an, dass in fünf Jahren nur noch 160 bis 170 Schüler in die ersten Klassen der Rader Grundschulen wollen. Dann kommt man in der Tat zu der Berechnung, dass diese Kinder auf insgesamt sechs Klassen (mit 27 bis 29 Schülern) aufgeteilt werden können und dazu vier oder (wie Herr Rüggeberg schon mal sinniert hatte) sogar drei Grundschulen reichen würden. Aber so einfach ist die Sache nicht.   Gehen wir mal davon aus, dass sich an der Verteilung der Schüler im Stadtgebiet, an den Präferenzen der Eltern für die eine oder andere Schule und damit an der prozentualen Verteilung auf die fünf Grundschulen nichts Wesentliches ändert. Und die Wahlfreiheit der Eltern ist Gesetz, da wird man nicht viel steuern können.   Dann verteilen sich die Schüler in fünf Jahren etwa wir folgt: Brede knapp 20 Schüler, Bergerhof ca. 25 bis 30, Lindenbaum ca. 25 bis 30, Stadt ca. 45 bis 50, Blumenstraße ca. 40 bis 45.   Damit werden die Grundschulen Blumenstraße und Stadt zweizügig bleiben. Laut Gesetz und auch aus praktischen Erwägungen (s.u.) gibt es keinen Grund, eine dieser Grundschulen zu schließen!   Die anderen drei Grundschulen sind auf jeden Fall auf weitere Sicht – bei etwa gleichbleibenden Schülerzahlen – einzügig (evtl. eineinhalb- bis zweizügig). Eine Schließung einer dieser Schulen kommt für uns aber auf gar keinen Fall in Frage, da sie an Wohngebiete außerhalb der Innenstadt oder konfessionell gebunden sind.   Laut Gesetz ist die dauerhafte Einzügigkeit die Grenze, bei der die Stadt einen Grundschulverbund – eine organisatorische Zusammenlegung – vorsieht. Dabei bleiben die Standorte erhalten. Lehrer können jedoch fallweise an mehreren Standorten eingesetzt werden. Unser Vorschlag lautet hierzu, für die Grundschulen Bergerhof und Brede (Wupper) einen Grundschulverbund einzurichten. Die Grundschule Lindenbaum würden wir zunächst als eigenständige Schule erhalten, da sie eine konfessionsgebundene Schule ist und aufgrund der Schülerzahlen, die auch in manchen Jahrgang mehr als eine Klasse möglich macht.   Die Schließung eines Grundschulstandortes ist also aufgrund der Gesetzeslage nicht erforderlich und macht, wie gesagt, auch keinen Sinn.   Natürlich kann man mit den Kosten argumentieren. Aber da spricht einiges für den Weiterbetrieb der fünf Standorte. Es wurde in den letzten Jahren einiges in den Ausbau der Grundschulen, im Rahmen der offenen Ganztagsschule und des Brandschutzes, investiert. Für die Blumenstraße wurde die Brandschutz-Sanierung zuletzt beschlossen. Die Kosten für die Sanierung sind strittig. Aber selbst die höchsten genannten Beträge liegen im machbaren Bereich.   Und dann stellt sich die Frage, welche Kosten die Schließung eines Standortes nach sich ziehen würde? Wenn man die Blumenstraße zumacht, müssen die Schüler ja woanders untergebracht werden. Und da werden die Eltern ihre Kinder kaum zur Brede oder nach Bergerhof schicken, sondern hauptsächlich zur Grundschule Stadt, die für eine durchgängige Vierzügigkeit gar nicht mehr eingerichtet ist. Dies bestätigte Konrektor Berghaus zuletzt im Ausschuss für Schule und Kultur. Grund ist der Ausbau der offenen Ganztagsschule, der Räumlichkeiten in Anspruch nahm (bei den anderen Schulen wird es ähnlich sein). Womöglich müsste man hier sogar in ein paar Jahren ausbauen. Bei der Schließung der Grundschule Stadt gäbe es ein ähnliches Szenario. Die drei einzügigen Grundschulen würden dabei überhaupt nicht aufgestockt!   Es stellen sich aber noch weitere Fragen bei der Schließung eines Standortes. Was sollen wir mit einem leeren Schulgebäude machen? Diese Frage stellen wir uns seit Jahren bei der ehemaligen Berufsschule in Bergerhof.   Was machen wir, wenn die Landesregierung – wie in anderen Bundesländern bereits geschehen – eine Verlängerung der Grundschulzeit auf fünf oder sechs Jahre beschließt? Machen wir dann in ein paar Jahren wieder eine neue Grundschule auf? Oder bauen wir die bestehenden aus? Was würde das kosten? Wäre es da nicht sinnvoller, eine gewisse Reserve an Raumkapazität vorzuhalten?   Diese Räume muss man ja nicht leer stehen lassen. Die Stadt mietet zur Zeit reichlich Räume an. Warum sollte man nicht Teile des Jugendamtes oder die Wirtschaftsförderung in einen abgetrennten Bereich der Grundschule Stadt unterbringen? Warum soll man nicht die Musikschule in der Grundschule Brede ein dauerhaftes Zuhause geben. Möglichkeiten gäbe es genug, weitere Vorschläge sind willkommen.   Und es gibt noch ein Argument: Radevormwald ist auf die jungen Familien angewiesen. Denen sollte man auch mit einem breiten – und gesicherten – Angebot an Schulen Gründe liefern, sich in Radevormwald niederzulassen. Das sind Gründe, die sich in Euro nicht messen lassen, aber mit Sicherheit die Kosten für den Erhalt unserer Schulen aufwiegen. Dazu wäre aber ein Signal an diese Bürger notwendig, dass sich z.B. in einem breiten Konsens für eine langfristige Garantie für alle fünf Rader Grundschulstandorte äußern könnte. Wir sind offen für ein solche Bündnis, Sie lade ich herzlich dazu ein.   Herzliche Grüße   A. Michalides PS: Ich weiß, Ihren Namen schreib man mit einem 's', und Herr Ebbinghaus schreib sich mit zwei 'b'! [1] http://www.uwg.inrade.de/show-article.php?iRubrikID=7514&iArticleID=46209