Niemand muss vor der Sekundarschule Angst haben!!!

Tafelanschrieb:  Niemand fürchtet sich vor der Sekundarschule

 

Wenn man so manche Äußerung über die Sekundarschule liest oder hört, so scheinen bei einigen Menschen immer noch Ängste vorzuherrschen, dass mit dieser Schulform eine Hauptschule mit noch geringeren Ansprüchen gegründet werden soll. Es scheint uns, der AL-Fraktion, dringend geboten, noch einmal auf die Hintergründe der Entscheidung einzugehen und zur Versachlichung der Diskussion beizutragen.

CDU und SPD im Land haben diese Schulform beschlossen, sicherlich nicht um die Qualität der Bildung zu senken. NRW steht im Leistungsvergleich der Schulen der Bundesländer nicht besonders gut dar, was peinlich genug ist. Niemand kann also ein Interesse daran besitzen, diese Situation zu verschlimmbessern!
Auch in der Lokalpolitik ging es nicht darum, eine Schulform abzuschaffen, die im Rahmen ihres Auftrages gute Arbeit geleistet hat. Land und Stadt haben mit ihren Entscheidungen auf zwei Veränderungen reagiert:

  1. Infolge des Geburtenrückgangs standen immer weniger Kinder für ein dreigliedriges System zur Verfügung!
  2. Immer mehr Eltern begegneten der Hauptschule mit Misstrauen. Ob berechtigt oder nicht, es entstand eine Abstimmung mit den Füßen gegen die Hauptschule.

Die Hauptschule fand 2014 in Radevormwald  nicht mehr genug Anmeldungen und ist damit eine auslaufende Schulform. Dieses Ergebnis erhöhte den Druck auf die Lokalpolitik, die Bildungslandschaft in Radevormwald neu zu ordnen!

 

Als Politiker sind wir allen Interessen verpflichtet! Wir können Eltern, die eine Hauptschulempfehlung für ihr Kind besitzen oder deren Kind von der Realschule „abgeschult“ werden soll nicht sagen, dass wir innerhalb der Stadt kein Angebot für ihre Kinder besitzen! Es ist keine verantwortliche Politik, die Kinder zwangsweise in andere Städte zu schicken, sodass sie dort einen neuen Lebensmittelpunkt erhalten. Diese Kinder sind möglicherweise als Auszubildende und Arbeitnehmer für die örtliche Wirtschaft verloren, worauf Radevormwalder Unternehmen mit Recht hingewiesen haben. Sie sind aber mittelfristig vielleicht auch als Bürger verloren! Und Radevormwald steht nach 10 Jahren eines überproportionalen Einwohnerschwundes in der Situation, weiteren Einwohnerschwund entgegen zu wirken!
Es gibt aber noch einen weiteren Grund, der dafür spricht, die Schullandschaft in Radevormwald bewusst neu zu gestalten und nicht sich selbst zu überlassen. Die Realschule ist Teil des dreigliedrigen Schulsystems. Ihre Funktionalität ist gebunden an die Existenz einer Hauptschule, an die sie Schüler abgeben kann. Würden wir nichts unternehmen, würde das Radevormwalder Schulangebot komplettiert durch die Hauptschulen in den Nachbarstädten Hückeswagen und Lennep. Auf deren Existenz besitzen wir als Radevormwalder Politiker aber keinen Einfluss. Das bedeutet, wir machen uns abhängig von den schulpolitischen Entscheidungen in Hückeswagen und Remscheid. Spätestens, wenn auch dort die Hauptschulen auslaufen sollen, stehen wir vor einem Scherbenhaufen! Es ist also nicht klug, sich in Radevormwald von den Entscheidungen der Nachbarstädte abhängig zu machen!

 

Sie sehen, es gibt viele sachliche Gründe für die Radevormwalder Lokalpolitik die Schullandschaft neu zu ordnen. Ob nun die AL für den zweiten Versuch eher für eine Gesamtschule neben dem Gymnasium votiert hat, ist jetzt unbedeutet. Denn Radevormwald braucht hier und heute eine nachhaltige Lösung! Ein amputiertes dreigliedriges System ist das aber nicht!

 

Wird in einer Sekundarschule weniger geleistet, wie manche Bürger vermuten? Diese Vermutung wird häufig damit begründet, dass in der Sekundarsche nicht mehr aussortiert (abgeschult) werden kann und damit das Wiederholen eines Schuljahres als "padagogisches Werkzeug" seine Bedeutung verliert.

Aber, die Sekundarschule unterliegt denselben Regelungen wie die Gesamtschule. Die Sekundarschule besitzt als Kooperationspartner ein Gymnasium und soll den Übergang in die Oberstufe des Gymnasiums erleichtern. Deshalb sollen schon die Lernpläne der Klassen abgestimmt werden. Und an einer Sekundarschule müssen auch Gymnasiallehrer unterrichten. Diese Schulform ist also keineswegs eine Schule ohne Anspruch!!!
 

Aussage zur SchulqulitätLässt sich denn nachweisen, dass Notendruck eine Notwendigkeit für den Schulerfolg ist? Auch hierauf lässt sich klar antworten: Nein! Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, die auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes beruhen, bleiben in Bayern etwa 29 % aller Kinder zwischen dem 5. und 10. Schuljahr sitzen. In Sachsen sind es aber nur 12 %. Dennoch hat Sachsen Bayern inzwischen im Leistungsvergleich der Länder überholt und steht auf Platz 1!
Der neuseeländische Pädagoge John Hattie hat Pädagogigstudien aus 18 Jahren ausgewertet und eine Rangliste der Erfolgsfaktoren erstellt. Heraus gekommen ist, dass die "weichen Faktoren", wie die Frage der persönlichen Beziehung zwischen Schüler und Lehrer von besonders hoher Bedeutungi sind, während z. B. die Wiederholung von Klassenstufen kaum eine Bedeutung besitzt! Eigentlich eine Erkenntnis, die nicht ganz überrascht. Wenn Sie sich an ihre Schulzeit zurückerinnern, fällt ihnen vielleicht auch ein, dass ihnen Fächer oder Unterrichtsinhalte gerade deshalb gefallen haben, weil ihnen die Lehrerin/der Lehrer sympathisch war.
Stellt denn die größere Heterogenität der Schüler nicht eine Belastung des Unterrichts dar? Nein, dann nicht, wenn es die Lehrer verstehen – wie in der einklassigen Dorfschule – diese Heterogenität für sich zu nutzen. Umgekehrt stellt aber eine eher negative Auslese, wie man sie an einer Hauptschule vorfinden kann, eine erhebliche Belastung dar. Die Kinder machen die Erfahrung, kaum ein Schüler schafft es, kaum einer gibt sich Mühe. So liegt die Schlussfolgerung für den einzelnen Schüler nahe: Warum sollte ich mich anstrengen, wenn es keiner schafft!

 

Die Sekundarschule stellt in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit die individuelle Förderung und die Unterstützung selbstständigen Lernens.
Und warum kämpft gerade das Realschulkollegium gegen die Einführung der Sekundarschule? Das muss nicht zwingend so sein. Leider hat das Land aus Entscheidungsschwäche die Veränderung der Schullandschaft in die Städte und Kommunen abgeschoben. Eine einheitliche Landesregelung hätte uns den „Kulturkampf“ vor Ort erspart. Aber es gibt auch Realschulen, die sich bewusst für den Veränderungsprozess entscheiden und ihn aktiv mitgestalten wollen! Bedauerlicherweise gilt das in Radevormwald nicht!
 

Aber Bürgermeister Mans hat sich entschlossen, den schwierigen Start in eine neue pädagogische Welt fachlich begleiten zu lassen. Nicht nur in der Gründungsphase bekommen damit Eltern und Lehrer die einmalige Chance, sich über Konzepte und Methoden auszutauschen und gegebenenfalls Hilfen einzufordern! Dieses Konzept wurde von allen Fraktionen mitgetragen!

Gerade diese Entscheidung sollte ihnen Mut machen, ihre Kinder an der Sekundarschule anzumelden und damit der Stadt, der Schulform und ihren Kindern eine Chance zu geben.

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