Offener Brief an Bürgermeister Dr. Josef Korsten

Mit dem Einverständnis der Autors Herr Gernot Hall, veröffentlichen wir hier diesen offenen Brief!

Lieber Herr Dr. Korsten,
nachdem ich in der vergangenen Woche durch das Internet, einen Tag später durch die Presse von den Stalking-Vorwürfen gegen den von SPD und CDU gemeinsam aufgestellten Bürgermeisterkandidaten Christian Viebach erfahren hatte, habe ich an den folgenden Tagen einen Sturm der Entrüstung in der Presse erwartet: vor allem von denjenigen, die ihre Stimme schon per Briefwahl abgegeben hatten. Sie mussten sich doch vom Charakter des Kandidaten Viebach getäuscht fühlen: „Hätte ich  d a s  gewusst, hätte ich ihm nicht meine Stimme gegeben.“

Doch jeden Morgen beim Aufschlagen der Zeitung: FEHLANZEIGE.
Dass Herr Viebach eine Frau, dazu noch eine Mitarbeiterin  d e s  Rat-hauses, in dem er Chef werden will, gestalkt hat: Was soll´s? Das kann ja jedem mal passieren! Ein Kavaliersdelikt!“
Ist es diese irrige Auffassung hier in Radevormwald, die unseren Ruf als „Schlafstadt für Wuppertal, Remscheid, Solingen, Düsseldorf und Köln“  exakt bestätigt? Stört es niemanden, dass der eventuell künftige Bürgermeister unserer Stadt  unter Anklage steht? Schlafen wir alle da ruhig weiter?
Und da kommt endlich der Befreiungsschlag: zunächst von außen: von der Oberbergischen Kreis-SPD, dann von Ihnen, unserem ersten Bürger.
Ihnen beiden bin ich sehr dankbar für Ihre gemeinsam formulierte Distanz zu Viebach; ich stehe nahezu völlig hinter dem, was Sie beide moniert haben.

Dass Herr Viebach, nachdem er mit dem Stalking-Vorwurf vonseiten seiner Ex, einer Rathausmitarbeiterin, konfrontiert wurde, nicht von sich aus seine Kandidatur zurückzog, um Schlimmeres von der Stadt abzuwenden, finde ich schlimm und beschämend. 
Dass ihm nach Aufdeckung der Vorwürfe offensichtlich  keiner seiner Parteifreunde den gutgemeinten dringenden Rat gab, diesen Schritt zu tun, finde ich schlimm und beschämend.
Dass die SPD in Nibelungentreue ihn weiter unterstützt, es riskierend, eventuell einen Stalking-Bürgermeister ins Rathaus geholt zu haben, finde ich schlimm und beschämend.
Offensichtlich geht es beiden Parteien nur um die Rückgewinnung bzw. den Erhalt der Macht. Sie bleiben stur bei ihrer Fehlent-scheidung, auch wenn dieses Verhalten  zu noch mehr Politikverdrossenheit der Bürger führt und Radevormwald im Umland - ähnlich wie Köln jetzt schon – lächerlich macht.  Man stelle sich vor, BILD erscheine am 14.09.2015 mit der riesigen Titelzeile:    „RADEVORMWALD WÄHLT STALKER ZUM
BÜRGERMEISTER!“

Wenn Herr Viebach nicht sofort von sich aus noch die Reißleine zieht, wenn die SPD nicht ihre Verklammerung mit der CDU löst und ihren Wählern die Entscheidung für einen Bürgermeisterkandidaten freistellt, wenn vonseiten der Briefwähler keine Beschwerden bei der Bezirksregierung in Köln eingehen, würde  i c h  es begrüßen, wenn unsere Regierungspräsidentin in Köln  die abgegebenen Brief-Wahl-Stimmzettel annullierte und die Wahl verschöbe.

I c h jedenfalls wünsche mir für Radevormwald keinen schizophrenen ( gespaltenen) Bürgermeister, der – wie es SPD und CDU von Herrn Viebach  erträumen – das gemeinsame Handlungsprogramm in der städtischen Politik voll umsetzt, aber es im Privatbereich mit der Moral und den Gesetzen nicht so genau nimmt:  nur jetzt  v o r   der Wahl oder bis zum Ende seiner Amtszeit??
I c h  jedenfalls habe ein anderes Ideal von meinem  „Bürgermeister“ und hoffe, auch viele meiner bisher leider schweigenden Mitbürger.

Ihnen, lieber Herr Dr. Korsten, noch einmal Dank für den Dammbruch, Dank für das offene Wort. Es war m.E. erforderlich.
Mit freundlichen Grüßen

Gernot Hall

Rudolf-Harbig-Str.

42477 Radevormwald

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