Ein rabenschwarzer Tag für Radevormwald

Das Ende der Sekundarstufe in RadevormwaldStatt einer mutigen zukunftsorientierten Weichenstellung wurde die Bildung in Radevormwald auf das Abstellgleis gefahren!

 

Herr Krämer-Mandeau von der Firma biregio, Bonn, stellte zu Beginn der Sitzung des Schulausschusses am 02. Juli fest, dass Radevormwald das Zeitfenster für eine eigenständige Lösung der Gestaltung der Bildungslandschaft in Radevormwald verpasst habe. Er appellierte eindringlich an die Mitglieder, dass bei abnehmenden Schülerzahlen eine eigenständige Lösung immer schwieriger werde und ein „Zusammenarbeiten von Verwaltung, Politik, Eltern und Lehrern“ erfordere, weil sonst eine Lösung nicht zu schaffen sei. Dieser Appell war jedoch vergebens. Der Ausschuss entschied sich mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit, die durch Pro NRW gestellt wurde, dafür, erst einmal einen weiteren Untersuchungsauftrag zu vergeben, der die Gestaltungsmöglichkeiten im Nordkreis erkunden sollte!

Auch die Fa. biregio, Bonn, für die Herr Krämer-Mandeau arbeitet und die den Schulentwicklungsplan 2011 aufgestellt hatte, sah größere Chancen für die Errichtung einer Sekundarschule bei der Zusammenarbeit zweier Städte. Dabei wurde aber deutlich, dass dies dann gilt, wenn z. B. auch Hückeswagener Eltern ihre Kinder an einer Rader Sekundarschule anmelden würden. Dadurch könnte die Zahl der notwendigen Anmeldungen von 75 Kindern leichter erreicht werden. Das bedeutet aber auch, dass nicht selbstverständlich eine Filiale dieser Schule in Hückeswagen entstehen könnte. Auf die Frage der AL, ob dem Hückeswagener Bürgermeister dieser Sachverhalt bekannt wäre, antwortete der Bürgermeister, dass man sich zunächst nur darüber verständigt habe, möglicherweise bei der Weiterentwicklung der Sekundarstufe zusammenarbeiten zu können. Einzelheiten seien dabei nicht besprochen worden.

 

Der Verlauf dieser ersten Sitzung des neuen Schulausschusses war durch viele Besonderheiten geprägt. Zur Entscheidung standen zunächst 3 Beschlussentwürfe:

  • Die Verwaltung plädierte in ihrem Vorschlag für eine Wiederholung des Versuchs der Einrichtung einer Sekundarschule zum nächsten Schuljahr (2015/16).
  • Die FDP befürwortete eine Untersuchung der Möglichkeiten einer Zusammenarbeit innerhalb des Nordkreises,
  • während die Alternative Liste Radevormwald die Errichtung einer Gesamtschule in Radevormwald forderte.

WeicheWer nun erwarten würde, dass die Verwaltung nur ihren eigenen Vorschlag begründet, sah sich getäuscht. Der Bürgermeister sprach sowohl zum Verwaltungsvorschlag als auch zu dem FDP-Vorschlag und stellte diese beiden als gleichwertig dar. Beide besäßen Vor- und Nachteile! Eine Begründung, warum sich die Verwaltung in dieser Situation für eine eigenständige Lösung in Form der Wiederholung der Beantragung der Sekundarschule entschlossen hatte, hörte man jedoch nicht! Die CDU brachte eine Variante des FDP-Vorschlages zunächst mündlich ein und wurde aufgeforderte eine Schriftform bis zur Abstimmung nachzureichen.
Diese Schriftform bekam nur der Vorsitzende zu Gesicht! Natürlich kein Problem. Nur der AL-Antrag, der in Schriftform vor den Fraktionsberatungen am Montag an die Fraktionen gegangen war, ist nach Auffassung des Bürgermeisters viel zu spät eingegangen.

 

Die von CDU und FDP bevorzugte Lösung der Erkundung einer „gemeinsamen Nordkreislösung“ besitzt nach Auffassung der AL viele Nachteile.

Wer von einer gemeinsamen Nordkreislösung „träumt“, muss sich auch einmal mit den unterschiedlichen Ausgangssituationen dieser drei Städte befassen. Dabei wird schnell sichtbar, dass der Vorrat an Gemeinsamkeiten sehr klein ist. Wipperfürth besitzt zwei Gymnasien, die es behalten möchte und die es zu füllen gilt. Dabei war es in der Vergangenheit und erst recht in der Zukunft auf Hückeswagener Kinder angewiesen. Die Inklusion ist in Wipperfürth im Vergleich mit den beiden Nachbarstädten schon weit vorangeschritten, sodass die Sicherung von Förderschulen dort kaum einen Stellenwert besitzt.

In Hückeswagen verlassen weniger Kinder als in Radevormwald die Grundschulen und es besitzt kein Gymnasium. Hückeswagen verliert also immer Kinder an Wipperfürth und Radevormwald. Es ist deshalb gar nicht in der Lage, eine eigene Struktur im Bereich der Sekundarstufe neu aufzubauen! Das Hückeswagener Interesse könnte folglich darin bestehen, das „Aus“ der eigenen Schullandschaft noch ein wenig herauszuzögern. Das gilt sowohl für die Haupt- und Realschule als auch für die dort „relativ große“ Förderschule.
Die Zahl der Grundschulkinder in Radevormwald ist in diesem und in den nächsten zwei Schuljahren noch so groß, dass eine eigenständige Lösung theoretisch denkbar wäre, aber eben nur, wenn alle Kräfte an einem Strick ziehen! Das ist leider in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen und heute noch weniger, da nicht einmal mehr die Politik eine gemeinsame Lösung anstrebt. Außerdem wird der Schutz der Förderschule als zwingend notwendig betrachtet!

 

Eine Schnittmenge gibt es also kaum. Die Verkehrsanbindungen der drei Städte untereinander sind so gut wie gar nicht vorhanden. Folglich müsste man diese Idee eher als tot geborenes Kind betrachten. Aber nein, diese Idee wird in den Köpfen, auch mit Unterstützung der Verwaltung, warm gehalten. Denn sie verschafft Zeit! Besser sie verschwendet die Zeit, die wir für eine eigenständige Lösung dringend bräuchten. Denn letztlich könnte das Ziel von CDU und FDP in Gemeinschaft mit dem Bürgermeister darin bestehen, gar nichts zu verändern! Kinder mit Hauptschulempfehlungen aus Radevormwald mögen (vorübergehend) die Hückeswagener Hauptschule sichern, gleichzeitig glaubt man dadurch auch an der hiesigen Struktur nichts mehr ändern zu müssen! Klar, dass bei derartigen Überlegungen ein Institut wie biregio, das immer auch deutliche Worte fand, störend ist. Deshalb wechseln wir auch den Gutachter, damit dieser aus den Zahlen die Schlussfolgerungen zieht, die die Mehrheit hören möchte!!!

AbstellgleisBemerkenswert an der Entscheidung des Schulausschusses war auch die Tatsache, dass sich SPD, UWG und Grüne ihrer Stimme enthielten. Ein Signal, dass von den anwesenden Eltern gar nicht verstanden wurde! Das auch nicht verständlich ist, weil doch die SPD sich zuvor völlig klar für den eigenständigen Weg in Form des Verwaltungsvorschlages ausgesprochen hatte. Dieses Verhalten wird dann aber ein wenig verständlicher, wenn man weiß, dass der Bürgermeister in der Beratungspause zur Verwirrung der Ausschussmitglieder beitrug, in dem er die Nordkreislösung im „Zweiergespräch“ bevorzugte!!!

 

Nur die Welt dreht sich deshalb trotzdem weiter! Der Trent, dass immer weniger Kinder die Hauptschule besuchen werden, kann dadurch nicht aufgehalten werden. Eine Partnerschaft mit der Hückeswagener Hauptschule ist aus der Sicht der Wupperorte gar nicht akzeptabel! Entscheidet sich Remscheid für eine 3. Gesamtschule in Lennep, dann wird das allmähliche Ausbluten der Radevormwalder Sekundarschulen beschleunigt werden! Schon in wenigen Jahren werden wir uns in der Situation wieder finden, in der sich Hückeswagen schon heute befindet. Wir werden dem Ende eines eigenständigen Sekundarschulwesens in unserer Stadt ins Auge blicken müssen, ohne aus eigener Kraft daran noch etwas ändern zu können!

Deshalb war die Entscheidung des Schulausschusses für die zukünftige Entwicklung der Stadt so fatal!

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Trisomie 21 und Inklusion

Trisomie, Downsyndrom oder Mongolismus, die vorgeburtliche Diagnose dieser Abweichung im Erbgut ist für viele ungeborene Kinder ein Todesurteil. Der Professor Holm Schneider stellt in einem Buch 10 Beispiele vor, was bei entsprechender Förderung, die es auch heute oft noch nicht gibt, auch diese Menschen leisten können und dass diese Eigenschaften haben, die für unsere ganze Gesellschaft sinnvoll sein können. Vielleicht können Sie durch das Teilen dieses Beitrages dazu beitragen, das Leben dieser Menschen zu retten und Druck auf die Politik aufzubauen, diesen Menschen die notwendige Förderung zu geben, auch durch eine sinnvolle Inklusion! http://www.kath.net/news/45376 [1] [1] http://www.kath.net/news/45376

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