Die Zukunftsfähigkeit Radevormwald wird aufs Spiel gesetzt!

gelbe AmpelRadevormwald ist derzeit noch in der glücklichen Lage – anders als Hückeswagen – einige Handlungsmöglichkeiten zu besitzen. Aber die Situation ist keineswegs komfortabel. Zum Schuljahr 2016/17 verlassen noch einmal 186 Kinder die Radevormwalder Grundschulen. Danach werden die Zahlen deutlich kleiner werden.
Insofern besitzen wir in für dieses Schuljahr noch einmal eine Chance, eine nachhaltige Lösung zur Gestaltung der weiterführenden Schullandschaft in Radevormwald zu finden.     Für uns kann die Nachhaltigkeit bei der Neugestaltung des weiterführenden Bildungsangebotes nur durch eine Gesamtschule gesichert werden. Gesamtschulen sind in den Augen der Eltern sehr attraktiv. Deshalb besitzen sie eine Sogwirkung. Diese Sogwirkung kann die Gemeinde für sich nutzen, die heute handelt und nicht noch weiter abwartet. Handelt Radevormwald jetzt nicht, könnte es nicht nur mögliche einpendelnde Schüler aus den Nachbarstädten verlieren, sondern auch die Chance, sich selbstständig für eine Gesamtschule entscheiden zu können. Denn heute ist das Gesamtschulangebot in der Umgebung von Radevormwald noch ein „weißer Fleck“. Wird dieser weiße Fleck durch Schulgründung in der Nachbarschaft gefüllt, verlieren wir nicht nur Kinder, sondern möglicherweise auch die Genehmigungsfähigkeit einer eigenen Gesamtschulgründung.

Gelbe AmpelDeswegen bedauern wir, dass die beiden „großen Parteien“ der Mut gefehlt hat, diese Chance heute zu ergreifen und eine nachhaltige Lösung anzustreben. Ob das Gymnasium durch die Gründung einer Sekundarschule gesichert werden kann, ist keineswegs selbstverständlich. Dadurch kann zwar die Zahl der Schulwechseler am Ende des 10. Schuljahres für das THG theoretisch gesichert werden. Ob dies aber ausreicht, bleibt offen. Eine Sogwirkung wird eine solche Lösung nicht besitzen. Und vielleicht ist dann, wenn auch CDU und SPD erkennen, dass ihre Lösung nicht langfristig tragfähig ist, das Zeitfenster für eine Gesamtschullösung geschlossen.

Ein noch traurigeres Bild bietet allerdings die kleine FDP-Fraktion. Zunächst wollte sie die Zeichen der Zeit in Form der sinkenden Kinderzahlen gar nicht verstehen und forderte unverdrossen die Beibehaltung des dreigliedrigen Schulsystems. Nun ist sie umgeschwenkt und möchte die „Realschule plus“ in Radevormwald als Schulversuch durchführen. Die „Realschule plus“ ist eine Schulform, die in Rheinland-Pfalz eingeführt wurde. Übrigens ohne Beteiligung der Eltern, wie in NRW, sondern durch Beschluss der Landesregierung! Wer in Wikipedia nachschlägt, wird schnell erkennen, es handelt sich um die Schulform, die in NRW Sekundarschule genannt wird!
Die FDP behauptet, dass die Eltern verunsichert seien. Bezogen auf die Gesamtschule sind sie das sicherlich nicht! Aber warum sollten sie die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule weniger verunsichern, wenn die dann entstehende Schule Realschule plus heißt. Hier wird wohl sehr auf die Oberflächlichkeit der Eltern gesetzt. Schade, dass die Bürger in ihrem Urteilsvermögen so unterschätzt werden! Schlimmer aber ist, die FDP hausiert mit einer Variante, die es in NRW nicht gibt. Sie beruft sich dabei auf die Möglichkeit eines Schulversuchs. Das Schulgesetz bestimmt aber eindeutig in § 25 (4):  

„Schulversuche, Versuchsschulen und Modellvorhaben bedürfen der Genehmigung des Ministeriums. Dabei werden Inhalt, Ziel, Durchführung und Dauer in einem Programm festgelegt.“

Schulversuche dienen, so sagt es das Gesetz außerdem, der Weiterentwicklung bzw. der Erprobung neuer Formen des Schulsystems. Das bedeutet aber, die FDP fordert nicht nur etwas, über das bestenfalls in Düsseldorf entschieden werden könnte, sondern sie fordert etwas, was nach Schulgesetz nicht durchführbar ist. Die Realschule plus ist eben nichts Neues, nichts was der Weiterentwicklung des Schulsystems dient, sondern ist etwas,  das NRW in Form der Sekundarschule bietet, nur unter einem anderen Namen. Sollte die FDP also nur deshalb etwas nicht Machbares fordern, weil sie eigentlich am bisherigen System nichts ändern möchte?

Nur das alte System ist heute schon nicht mehr vorhanden. Die Hauptschule wird nicht weiter existieren, auch wenn der formale Schließungsbeschluss noch fehlt. Glaubt die FDP ernsthaft, dass die Eltern ihr Kind wieder an einer Hauptschule anmelden würden? Uns ist keine Gemeinde bekannt, bei der ein solches Verfahren gelungen ist. Das wäre auch etwa so, als wenn man dafür werben würde, auf den Sieg eines schon einmal angezählten Boxers zu wetten! Schade, dass bei einer solch wichtigen Entscheidung zwei Stimmen so sinnlos verschwendet werden! Aber bis zum Schulausschuss und bis zur Ratssitzung ist ja noch etwas Zeit, vielleicht kommen die beiden „Powerfrauen“ (FDP-Selbsteinschätzung) ja doch noch zu tiefer gehenden Einsichten.

 

Wenn Sie sich noch etwas näher für die Position der Alternativen Liste Radevormwald zu der Frage der Weiterentwicklung des weiterführenden Schulangebotes interessieren, sehen und hören Sie unsere abschließende Bewertung des Komplan-Papieres auf youtube.